Tauchen an der Pointe de Montrémian

Eingebettet an der nordwestlichen Spitze der Insel Bagaud, nahe Port-Cros, ist die Spitze von Montrémian zweifellos einer der schönsten Tauchplätze an der Küste von Var. Aufgrund ihrer einzigartigen Unterwasserdüne wird sie auch als „Skipiste“ bezeichnet und bietet einen Lebensraum, der reich an Biodiversität ist, mit einer Mischung aus Felsen, Sand und Seegras. Praktische Informationen […]

Im Nordwesten der Insel Bagaud, unweit von Port-Cros, zählt die Pointe de Montrémian zu den schönsten Tauchplätzen der Küste des Var. Ihre besondere Unterwassertopografie – eine Art natürliche Sanddüne zwischen Fels und Seegras – hat ihr den Spitznamen „Skipiste“ eingebracht. Ein Mosaik aus Felsblöcken, Sandflächen und Posidonia-Wiesen schafft hier einen außergewöhnlich vielfältigen Lebensraum.

Praktische Informationen

GPS-Punkt:
43°O’65’’ Nord
6°21’49’’ Ost 

Zwei Bojen markieren den Ankerbereich und erleichtern einen sicheren Einstieg in ein Gebiet, das früher für das Tauchen gesperrt war. Der Tauchgang beginnt meist an der Ostseite der Spitze und folgt anschließend dem Fels nach Norden, wobei die Struktur links gehalten wird.

Auf etwa 40 Metern Tiefe öffnet sich eine dichte Posidonia-Wiese, in der sich Geißbrassen (Diplodus sargus), Brandbrassen (Oblada melanura), Goldstriemen (Sarpa salpa) und Mönchsfische (Chromis chromis) bewegen – ein ruhiges, fast schwebendes Leben im Lichtfilter der Tiefe.

Der Tauchgang führt weiter zwischen Hauptgrat und einem zweiten Felsrücken hinab, bis der Sandboden schließlich in rund 31 Metern Tiefe erreicht wird.

Lebendiges Unterwasserökosystem mit Fischen, die zwischen bunten Korallen schwimmen.
Der Standort ist geprägt von der Fülle an sesshaften Tieren, aber auch von der Vielzahl an Fischen
Foto: Dominique Barray

Wenn man weiter nach Norden schwimmt, etwa fünfzig Meter von der Spitze entfernt, erreicht man den Felsen von Montrémian – ein markanter Block, geschmückt mit Farbwechselnden Gorgonien (Paramuricea clavata). Einige Kolonien haben allerdings die Hitzewelle des Meeres im Sommer 2022 deutlich zu spüren bekommen.

Der Fels erhebt sich gut vier Meter aus dem Grund und misst rund zwanzig Meter im Umfang, sodass er sich leicht in einer Umrundung betauchen lässt.

Zum Abschluss des Tauchgangs bietet sich entweder der direkte Rückweg an oder die Überquerung der „Piste“, die zu weiteren Felsformationen führt, eingerahmt von dichten Posidonia-Wiesen.

Eine reiche und vielfältige Fauna

In Montrémian ist das Meeresleben allgegenwärtig. Zwischen den Felsstrukturen begegnet man Zackenbarschen in allen Größen, Pfauenfischen, Muränen, die sich tief in ihre Höhlen zurückziehen, sowie Schollen, die regungslos im Sand auf Beute lauern.

Diese Vielfalt wird ergänzt durch eine üppige sessile Fauna: dichte Teppiche Gelber Krustenanemonen (Parazoanthus axinellae), Schwämme und Bryozoen, die die Wände in ein farbiges Mosaik verwandeln und dem Fels seine lebendige Textur verleihen.

Eine Meeresschnecke mit einzigartigen Mustern schwimmt zwischen bunten Korallen in einem lebendigen Unterwasserökosystem.
Eine « See-Kuh » Discodoris atromaculata
Foto: Dominique Barray

Aufmerksame Taucher können hier Jagdszenen beobachten, ebenso wie – je nach Saison – Laichvorgänge und winzige Jungtiere, die ihr Leben in dieser besonderen Umgebung beginnen.

Nicht selten ziehen Gewöhnliche Adlerrochen (Myliobatis aquila) in lockeren Formationen vorbei, besonders im Herbst, während Gewöhnliche Stechrochen (Dasyatis pastinaca) regungslos in den Seegraswiesen ruhen. Mit etwas Glück taucht auch ein Mondfisch (Mola mola) im offenen Wasser auf.

Im Frühling verwandeln sich die Felswände in ein Refugium für Nacktschnecken: Violette Fadenschnecken Flabellina affinis, Wander-Fadenschnecken (Cratena peregrina), « See-Kühe » (Peltodoris atromaculata) und Prachtsternschnecke Hypselodoris orsinii sind dann häufig inmitten intensiver Fortpflanzungsaktivität zu beobachten.

Um diese Vielfalt vollständig zu erfassen, lohnt sich ein genauer Blick in die Überhänge und Spalten – idealerweise mit einer Lampe, die die verborgenen Details der Wand sichtbar macht.

Bunter Fisch, der zwischen Seegras in einer lebendigen Unterwasserlandschaft schwimmt.
Ein Großer Roter Drachenkopf (Scorpaena scrofa) auf der Jagd
Foto: Dominique Barray

Eine Düne unter Wasser

Die Pointe de Montrémian – oft schlicht nach ihrem Namen bezeichnet – besitzt ein seltenes geologisches Merkmal: eine Unterwasserdüne. Im Gegensatz zu vom Wind geformten Sandlandschaften entsteht sie durch die Dynamik der Meeresströmungen.

Ihre bis zu etwa 45° geneigte Sandstruktur scheint den Gesetzen der Schwerkraft zu widersprechen. Aufsteigende Bodenströmungen transportieren kontinuierlich Material nach oben und halten so Form und Aufbau dieser außergewöhnlichen Formation stabil. An den Fels angelehnt, schafft sie einen Lebensraum, der besonders von bodennah lebenden und perfekt getarnten Fischarten genutzt wird.

Die Konzentration unterschiedlichster Habitate auf kleinem Raum macht Montrémian zu einem echten Hotspot der Biodiversität – ein Tauchplatz, der in seiner Vielfalt mühelos mit tropischen Destinationen konkurrieren kann.

Achtung: Die Strömungen können sowohl an der Oberfläche als auch in der Tiefe stark sein und setzen häufig nach Westen in Richtung Porquerolles. Der Einsatz einer Oberflächenmarkierungsboje (SMB) sowie eines geeigneten Sicherheitsmanagements wird dringend empfohlen.

Ein lebendiges Korallenriff, das verschiedene Arten von tropischen Fischen beherbergt.
Ein juveniler Brauner Zackenbarsch (Epinephelus marginatus), der nur wenige Zentimeter misst.
Foto: Nicolas Barraqué

Praktische Informationen

Alle Tauchclubs der Region bieten Ausfahrten zur Pointe de Montrémian an. Wer autonom taucht, muss sich beim Nationalpark Port-Cros anmelden. Die Genehmigung ist kostenlos, gilt für das gesamte Kalenderjahr und ist bei Kontrollen vorzuweisen.

Die Registrierung erfolgt online über die Plattform CaPeL (Carnet en ligne de plongée): CaPeL.

Über Wasser

Die Insel Bagaud dient als Pilotstandort für die Erforschung des globalen Wandels. Geschützt vor direkten menschlichen Eingriffen ermöglicht sie Wissenschaftlern, indirekte Auswirkungen menschlicher Aktivitäten zu untersuchen.

Im Herzen des Nationalparks Port-Cros gelegen – dem ersten terrestrisch-maritimen Schutzgebiet Frankreichs seit 1963 – zeigt sich hier exemplarisch, welchen Wert konsequenter Schutz haben kann. Jede Insel der Region verdient einen Besuch.

Für ein optimales Erlebnis empfiehlt es sich, die Hochsaison im Juli und August zu meiden. In der Nachsaison ist das Wasser noch warm, die Atmosphäre deutlich ruhiger – ideale Bedingungen, um die Wanderwege von Porquerolles und Port-Cros zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu entdecken.

Dieser Artikel, ursprünglich von Isabelle Croizeau für unsere Printausgabe verfasst, wurde für das Web angepasst.
Eröffnungsfoto: Hervé Colombini.

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